in memoriam Dr. Erich Neck

 


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Aus seinen "Erinnerungen"

Seit seiner Pensionierung 1992 schrieb mein Vater an seinen Memoiren, die er in kleiner Auflage von 15 Exemplaren pünktlich zur Goldhochzeit mit meiner Mutter am 25. August 2006 fertigstellte.

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Darin schreibt er:

Vorwort


Am Ende der beruflichen Tätigkeit, wenn andere einen Überblick über das nun vergangene Arbeiten und Wirken geben und man mit lobenden Worten in den Ruhestand entlassen wird, denkt man selbst daran, wie alles geworden ist. Auch ich schaute zurück auf meinen Lebensweg, auf die großen geschichtlichen Abschnitte in der Zeit meines bisherigen Lebens und auf die Wandlungen der Lebensbedingungen der Menschen in dieser Zeit: Im Jahr des Beginns der großen Welt-Wirtschaftskrise 1929 wurde ich geboren. Als Kind und Halbwüchsiger erlebte ich von 1933 bis 1945 zwölf Jahre Nationalsozialismus und den zweiten Weltkrieg. Den schlechten Zeiten folgten der Neuanfang Deutschlands, das Zusammenwachsen Europas und der Aufbruch in eine bessere Zeit. Ich erlebte aber auch den Kalten Krieg mit der Spaltung Deutschlands und der Welt in „Ost“ und „West“. Er begleitete mich über weite Strecken meines Lebens. Erst in meinen alten Tagen durfte ich noch erleben, dass die Einheit Deutschlands wieder hergestellt wurde und sich die verfeindeten Lager aussöhnten, so dass bei uns ein künftiger Krieg unwahrscheinlich wurde. Auswirkung der Aussöhnung von Ost und West war aber auch eine Globalisierung der Weltwirtschaft mit ihren Folgen für die Europäischen Industriestaaten. In jener Zeit entstand bei mir die Idee, den Lauf meines Lebens schriftlich festzuhalten, um insbesondere meinen Enkeln zu erzählen, wie die vergangenen Zeiten waren und wie ich lebte, dachte und arbeitete. Neben wichtigem Geschehen aus meinem Leben, habe ich auch eine Menge von kleineren, weniger bedeutenden Ereignissen, an die ich mich aber noch lebhaft erinnere, niedergeschrieben. Ich hatte für meine Arbeit nicht nur meine gedanklichen Erinnerungen, sondern eine ganze Menge von Fotos aus meinem Leben und alle Taschen- und beruflichen Terminkalender von 1959 an, in denen ich eine Fülle von Aufzeichnungen vorfand. Natürlich half auch meine liebe Frau Ingeborg meinem Gedächtnis in einer Reihe von Fällen auf die richtige Spur und gab mir wertvolle Hinweise. Im Wesentlichen hielt ich mich beim Schreiben an die Zeitachse. Dabei habe ich auch allgemeine zeitgeschichtliche Fakten und Abläufe in meine „Erinnerungen“ einbezogen. Soweit geschichtliche Daten nachzuschlagen waren, benutzte ich die „Propyläen Weltgeschichte“. Meine Erinnerung an die erlebten Fliegerangriffe auf Karlsruhe im Zweiten Weltkrieg frischte ich zum Teil mit dem vom Karlsruher Stadtarchiv herausgegebenen Buch von Erich Lacker „Zielort Karlsruhe“ auf. Außerdem begegneten mir in den Jahren des Schreibens immer wieder Zeitungsmeldungen und Reportagen, die sich auf die Zeit bezogen, über die ich berichtete. Am Rande sei noch erwähnt, dass ich auf dem beruflichen Feld früher bereits eine Broschüre über „25 Jahre Finanz- und Rechnungswesen im Kernforschungszentrum Karlsruhe 1956 bis 1980“ geschrieben habe, aus der ich meine fachbezogenen Erinnerungen von Fall zu Fall auffrischte. Große Unterstützung erfuhr ich von meinem Sohn Torsten, der mich nicht nur in die Grundzüge der Datenverarbeitung insoweit einführte, dass ich diese „Erinnerungen“ per Computer überhaupt aufschreiben konnte, sondern mir auch bei vielen DV-Problemen, die ich bei diesem Schreiben hatte, zu Hilfe kam und schließlich meine „Erinnerungen“ zum Druck vorbereitete. Hierfür möchte ich ihm herzlich danken. Schließlich habe ich mich ebenfalls bei Ingeborg sehr zu bedanken, die es übernommen hatte, meine vielen Seiten kritisch zu lesen.


Karlsruhe, den 31. Mai 2006


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Nachlese


Mit diesen Zeilen, die ich Ende Mai des Jahres 2006 niederschreibe, im Alter von 77 Jahren, möchte ich zum Ausdruck bringen, dass ich auch in der Rückschau mit meinem Leben zufrieden bin. In all den wechselvollen Zeiten habe ich meinen Weg gefunden. Die „Gnade der späten Geburt“ hat mich davor bewahrt, als Soldat eingezogen und in den Krieg geschickt zu werden. Ich bin deshalb noch heute froh, dass es mir in meinem Leben erspart blieb, Menschen töten zu müssen.


Mein Elternhaus, vor allem meine Mutter, gab mir durch Vorbild und Erziehung die Basis für eine gute, geordnete Lebensführung. Ich konnte eine gediegene Ausbildung trotz der widrigen Zeiten erlangen und hatte das Glück, Anerkennung und Zufriedenheit in einer anspruchsvollen beruflichen Stellung als Prokurist im Kernforschungszentrum Karlsruhe zu finden. Mein Einkommen bewegte sich zwar – wie im öffentlichen Dienst üblich – nur auf mittlerem Niveau, so dass ich, wie damals viele Menschen in der Mittelschicht, die nach dem 2. Weltkrieg ohne finanziellem Rückhalt oder Vermögen neu anfangen mussten, lange Jahre brauchte, um ein bescheidenes Vermögen zu bilden und eine Eigentumswohnung zu kaufen.


Zwar war ich von früher Kindheit an durch meine Atemprobleme bei körperlichen Anstrengungen schon immer begrenzt und habe nun im Alter durch massive Kurzatmigkeit erhebliche Probleme. Auch meine in fortgeschrittenem Alter erworbenen osteoporotischen Wirbelbrüche und Gelenkschmerzen behindern mich zusätzlich. Aber über die Zeit betrachtet habe ich mich mit diesen Einschränkungen arrangiert.


Ganz besonders war ich aber meinem Schicksal dankbar, dass ich Ingeborg kennen lernte, sie heiratete und mit ihr zwei wohlgeratene Kinder habe. Wir führten all die langen Jahre eine gute, glückliche Ehe. Gemeinsam meisterten wir das Auf und Ab des Lebens bis ins Alter und ich möchte mich bei Ingeborg auch an dieser Stelle ganz herzlich dafür bedanken.


Ich schließe meine „Erinnerungen“ damit ab und hoffe, mit Ingeborg und meiner Familie noch viele gute Jahre verbringen zu können.


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